Wissen über die weibliche Brust · medizinisch geprüft
ALBIN GROUP AG
Themen

Kapitel 03

Gesundheit & Prävention

Vorsorge & Früherkennung.

Selbstuntersuchung, Mammographie, Risikofaktoren und genetische Beratung — Handlungskompetenz für jedes Alter.

7 Bereiche≈ 15 Min. LesezeitFMH-geprüft
Editorial-Illustration: Selbstuntersuchung der Brust in medizinischem Atlas-Stil
Tafel 3.1Vorsorge & Selbstuntersuchung

Emotionaler Einstieg

«Die beste Therapie ist die, die man nie braucht — weil man früh genug hingeschaut hat.»

Redaktion meine-brust.ch

Kapitel 3 · Achtsamkeit als beste Prävention

Die meisten Brusterkrankungen sind gut behandelbar, wenn sie früh erkannt werden. Vorsorge ist deshalb keine Pflicht, sondern eine Form der Selbstfürsorge. Dieses Kapitel zeigt, wie Frauen ihre Brustgesundheit aktiv schützen können.

3.1

Selbstuntersuchung

Die eigene Brust kennen lernen.

Die regelmässige Selbstuntersuchung der Brust ist eine der einfachsten, kostenlosesten und wirkungsvollsten Vorsorgemassnahmen in der Brustkrebs-Früherkennung. Sie ersetzt keine Mammographie und keine ärztliche Untersuchung, sie ergänzt sie. Wer die eigene Brust gut kennt, bemerkt Veränderungen früher, und genau das macht den entscheidenden Unterschied. Studien zeigen, dass Frauen, die ihre Brust monatlich selbst abtasten, Auffälligkeiten oft Wochen oder Monate vor der nächsten ärztlichen Kontrolle entdecken. Diese Zeit ist medizinisch wertvoll, denn Früherkennung verbessert die Behandlungs- und Heilungschancen nachweislich.

Der ideale Zeitpunkt liegt wenige Tage nach der Menstruation, weil die Brust dann am wenigsten spannt und sich Knoten am besten ertasten lassen. In den Wechseljahren oder nach der Menopause kann ein fester Tag im Monat gewählt werden, beispielsweise jeweils der Erste des Monats. Die gesamte Untersuchung dauert etwa fünf Minuten und besteht aus drei systematischen Schritten: Betrachten vor dem Spiegel, Abtasten im Stehen, Abtasten im Liegen.

Infografik: Selbstuntersuchung der Brust in drei Schritten — Betrachten, Abtasten im Stehen, Abtasten im Liegen
Tafel 3.1 · Selbstuntersuchung — die eigene Brust kennen lernen
  1. 01

    Betrachten vor dem Spiegel

    Stellen Sie sich vor einen Spiegel und lassen Sie die Arme zunächst locker hängen. Achten Sie auf Form, Grösse und Hautbeschaffenheit beider Brüste. Heben Sie dann die Arme über den Kopf und drehen Sie sich leicht zur Seite.

    • Neue oder veränderte Asymmetrien zwischen beiden Brüsten
    • Einziehungen, Vorwölbungen oder Dellen in der Haut
    • Rötungen, Verdickungen oder Orangenhautstruktur
    • Veränderungen an den Brustwarzen (Einziehung, Krustenbildung, Ausfluss)

    Eine geringe natürliche Brustasymmetrie ist normal und betrifft über 90 Prozent aller Frauen. Neue oder sich verändernde Asymmetrien sind hingegen ein klarer Anlass zur ärztlichen Abklärung.

  2. 02

    Abtasten im Stehen

    Heben Sie einen Arm hinter den Kopf, sodass das Brustgewebe gestrafft wird. Tasten Sie mit den drei mittleren Fingern der gegenüberliegenden Hand die Brust systematisch ab, mit sanftem aber spürbarem Druck. Beginnen Sie an der Brustwarze und arbeiten Sie sich in kreisenden Bewegungen oder geraden Bahnen nach aussen vor, bis das gesamte Gewebe einschliesslich des Bereichs unter dem BH-Bügel abgedeckt ist.

    Tasten Sie unbedingt auch die Achselhöhle und den Bereich oberhalb des Schlüsselbeins ab, denn dort liegen wichtige Lymphknoten. Drücken Sie am Ende leicht die Brustwarze zusammen und prüfen Sie, ob Flüssigkeit austritt. Eine klare oder leicht milchige Sekretion kann hormonell bedingt sein, eine blutige Sekretion sollte immer ärztlich abgeklärt werden.

  3. 03

    Abtasten im Liegen

    Legen Sie sich flach auf den Rücken. Diese Position verteilt das Brustgewebe gleichmässig auf dem Brustkorb und macht das Abtasten besonders effektiv. Legen Sie einen Arm locker hinter den Kopf und tasten Sie die Brust auf derselben Seite mit der gegenüberliegenden Hand systematisch ab.

    • Knoten, die sich härter anfühlen als das umgebende Gewebe
    • Verdickungen oder Stränge im Brustgewebe
    • Schmerzpunkte, die in vorigen Monaten nicht da waren
    • Auffälligkeiten, die sich von der gewohnten Konsistenz unterscheiden

    Wiederholen Sie die Untersuchung auf der anderen Seite.

Was tun, wenn Sie etwas finden?

Wichtig: Wenn Sie bei der Selbstuntersuchung etwas finden, ist das kein Grund zur Panik. Die grosse Mehrheit aller tastbaren Knoten und Verdickungen ist gutartig, häufig handelt es sich um Zysten, Fibroadenome oder hormonell bedingte Schwellungen. Bei Frauen unter 35 Jahren sind tastbare Knoten in über 90 Prozent der Fälle gutartig.

Dennoch verdient jede neue oder sich verändernde Auffälligkeit eine zeitnahe ärztliche Abklärung in einer gynäkologischen Praxis. Nur eine fachärztliche Untersuchung mit Ultraschall oder gegebenenfalls einer Mammographie schafft Gewissheit. Die Regel lautet: Lieber einmal zu viel zur Untersuchung gehen als einmal zu wenig.

Tafel · Methoden

Vier Wege der Früherkennung.

  1. 01

    Palpation

    Ärztliche oder eigene Abtastung — erste Grundlage jeder Untersuchung.

    Ab 25 Jahren, monatlich

  2. 02

    Ultraschall

    Schallwellen für weiches Gewebe — ideal bei dichtem Drüsengewebe.

    Bei Verdacht, ergänzend

  3. 03

    Mammographie

    Röntgenbildgebung — Goldstandard für Früherkennung ab 50.

    Ab 50 Jahren, alle 2 Jahre

  4. 04

    MRT

    Magnetresonanz — höchste Auflösung, bei Risikofaktoren oder Unklarheiten.

    Bei hohem Risiko

3.2

Mammographie und Ultraschall

Die zwei wichtigsten bildgebenden Verfahren der Brustdiagnostik

Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust mit einer sehr niedrigen Strahlendosis und gilt als Goldstandard der bildgebenden Brustdiagnostik in der Schweiz. Sie kann kleinste Verkalkungen sichtbar machen, die mit blossem Auge oder durch Tasten nicht zu erkennen wären. Diese sogenannten Mikrokalk-Cluster sind manchmal die ersten Anzeichen einer beginnenden Tumorbildung, weshalb die Mammographie das wichtigste Screening-Verfahren in der Brustkrebs-Früherkennung ist. Die Untersuchung dauert wenige Minuten, kann sich kurz unangenehm anfühlen, ist aber gut verträglich und sicher.

Der Brustultraschall (Mammasonographie) ergänzt die Mammographie gezielt. Er ist besonders wertvoll bei dichtem Drüsengewebe, wie es bei jüngeren Frauen häufig vorkommt, und bei der Abklärung von tastbaren Knoten. Der Ultraschall ist vollständig schmerzfrei, ohne Strahlenbelastung und kann beliebig oft wiederholt werden. Bei Implantatträgerinnen ist er eine wertvolle Ergänzung, um Bereiche zu erfassen, die in der Mammographie durch das Implantat weniger gut sichtbar sind.

Empfehlung in der Schweiz

In der Schweiz wird Frauen zwischen 50 und 74 Jahren alle zwei Jahre eine Mammographie empfohlen. Mehrere Kantone führen organisierte Mammographie-Screening-Programme durch, mit qualitätsgesicherten Untersuchungen und doppelter Befundung durch zwei unabhängige Radiologen. Diese Programme haben nachweislich zur Senkung der Brustkrebs-Sterblichkeit beigetragen. Bei jüngeren Frauen oder bei erhöhtem Risiko kann auch früher mit der Bildgebung begonnen werden, in Absprache mit der Gynäkologin.

Infografik: Mammographie und Brustultraschall im Vergleich sowie die Screening-Empfehlung in der Schweiz
Tafel 3.2 · Mammographie und Ultraschall

3.3

Screening in der Schweiz

Anspruch, Ablauf und Kostenübernahme der Mammographie-Programme

In zahlreichen Schweizer Kantonen, darunter Waadt, Genf, Freiburg, Wallis, Jura, Neuenburg, Bern, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Graubünden, Solothurn und Thurgau, gibt es organisierte Brustkrebs-Früherkennungsprogramme. Berechtigte Frauen zwischen 50 und 74 Jahren erhalten alle zwei Jahre eine persönliche Einladung per Post. Die Mammographie wird in einem zertifizierten Brustzentrum durchgeführt, das Ergebnis wird nach einigen Tagen schriftlich mitgeteilt. Diese Programme sind wissenschaftlich evaluiert und entsprechen den europäischen Qualitätsleitlinien.

Die Kosten der Mammographie im Screening-Programm werden in den meisten Kantonen vollständig oder weitestgehend von der obligatorischen Grundversicherung übernommen, ausserhalb der Franchise. Die Teilnahme ist vollkommen freiwillig: Die persönliche Entscheidung jeder Frau wird respektiert. Aufklärungsmaterial und eine neutrale Beratung durch Ihre Gynäkologin helfen bei der individuellen Entscheidungsfindung.

In Kantonen ohne organisiertes Programm können Frauen die Mammographie auf eigene Initiative über ihre Gynäkologin in Auftrag geben. Sprechen Sie mit Ihrer Krankenkasse über die Kostenübernahme in Ihrem konkreten Fall.

3.4

Erste Anzeichen erkennen

Wann ist es Zeit für den Arztbesuch — welche Brustveränderungen ärztlich abgeklärt werden müssen

Folgende Veränderungen an der Brust sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Die meisten dieser Symptome haben gutartige Ursachen, aber alle verdienen eine fachärztliche Abklärung, weil nur die Untersuchung Sicherheit gibt:

  • Ein neuer, tastbarer Knoten in der Brust oder in der Achselhöhle
  • Eine Veränderung der Brustform oder -grösse, die nicht hormonell erklärbar ist
  • Einziehung der Haut oder der Brustwarze
  • Hautveränderungen wie Rötung, Schuppung oder ein Erscheinungsbild wie Orangenhaut
  • Absonderungen aus der Brustwarze, insbesondere blutige Sekretionen
  • Anhaltender Schmerz in einem klar lokalisierten Bereich, der nicht zyklisch bedingt ist
  • Anhaltende Rötung, Schwellung oder Wärme der Brust

Wichtig: Die meisten dieser Veränderungen haben gutartige Ursachen wie Zysten, Fibroadenome oder hormonell bedingte Schwellungen. Bei Frauen unter 35 Jahren sind über 90 Prozent aller tastbaren Knoten harmlos. Aber sie verdienen alle eine fachärztliche Abklärung, weil nur eine Untersuchung mit Ultraschall oder gegebenenfalls Mammographie Klarheit schafft. Die Regel lautet: Lieber einmal zu viel zum Arzt als einmal zu wenig.

Lächelnde Frau in einem hellen, freundlichen Wohnraum
Vorsorge, die zu Ihrer Lebensphase passt

3.5

Risikofaktoren und Lebensstil

Was die Brustgesundheit unterstützt.

Nicht alle Risikofaktoren für Brustkrebs sind beeinflussbar: Alter, genetische Veranlagung und hormonelle Faktoren liegen ausserhalb der eigenen Kontrolle. Andere Faktoren sind aber sehr wohl aktiv gestaltbar. Wissenschaftliche Studien zeigen klar, dass ein gesunder Lebensstil das Brustkrebsrisiko messbar senken kann, in manchen Berechnungen um bis zu 25 Prozent.

Die folgenden Massnahmen sind durch zahlreiche peer-reviewte Studien belegt und empfehlen sich unabhängig vom individuellen Ausgangsrisiko:

  • Regelmässige Bewegung, idealerweise mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche oder 75 Minuten intensive Aktivität
  • Eine ausgewogene, pflanzenbasierte Ernährung mit wenig verarbeitetem Fleisch und reichlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten
  • Begrenzter Alkoholkonsum, weil Alkohol das Brustkrebsrisiko nachweislich linear erhöht
  • Konsequenter Verzicht auf Rauchen und Passivrauchexposition
  • Ein gesundes Körpergewicht, insbesondere nach den Wechseljahren, weil Fettgewebe Östrogen produziert
  • Stillen, sofern möglich, weil es einen leicht schützenden Effekt auf das Brustkrebsrisiko hat
  • Ausreichend Schlaf und aktives Stressmanagement durch Entspannungsverfahren

Diese Massnahmen sind keine Garantie, aber sie verbessern Ihre statistischen Chancen deutlich und unterstützen gleichzeitig die allgemeine Gesundheit.

3.6

Genetik und Hochrisiko

Wenn Brustkrebs in der Familie liegt: BRCA und genetische Beratung.

Bei etwa fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebs-Erkrankungen spielen genetische Faktoren eine entscheidende Rolle. Die bekanntesten sind Mutationen in den Genen BRCA1 und BRCA2 (Breast Cancer Gene 1 und 2), die das Brust- und Eierstockkrebsrisiko deutlich erhöhen können. Frauen mit BRCA-Mutationen haben ein lebenslanges Brustkrebsrisiko von bis zu 70 Prozent und ein erhöhtes Eierstockkrebsrisiko.

Eine genetische Beratung sollten Frauen in Betracht ziehen, wenn:

  • mehrere Brustkrebs-Fälle in der nahen Familie aufgetreten sind
  • Brustkrebs in jungem Alter (vor dem 50. Lebensjahr) in der Familie vorkam
  • männliche Brustkrebs-Fälle in der Verwandtschaft bekannt sind
  • Eierstockkrebs in der Familie auftrat
  • Verwandte ersten Grades mit einer nachgewiesenen BRCA-Mutation existieren

Ablauf einer genetischen Beratung in der Schweiz. Eine genetische Beratung in einem spezialisierten Schweizer Zentrum klärt zunächst ab, ob ein Test überhaupt sinnvoll ist. Universitätsspitäler und mehrere Kantonsspitäler bieten solche Beratungen an. Ein positives Testergebnis bedeutet ein erhöhtes Risiko, aber keine Krankheit. Es ermöglicht eine intensivierte Vorsorge wie jährliche MRI-Untersuchungen und gegebenenfalls präventive Massnahmen, in enger Absprache mit einem multidisziplinären Team aus Gynäkologen, Onkologen, Genetikern und Psychologen.

Wichtig

Ein BRCA-Test ist eine bewusste, gut überlegte Entscheidung mit Konsequenzen für die ganze Familie. Die genetische Beratung vor dem Test ist daher genauso wichtig wie die Begleitung nach dem Ergebnis.

Mutter und erwachsene Tochter halten sich die Hände und blicken einander an vor pastelligem Hintergrund
Bildtafel 3.4 · Familiäres Risiko

Genetik & Familie

Familiengeschichte ist keine Bürde — sie ist wertvolle Information für die eigene Vorsorge.

3.6 · Risikotabelle

Risiken im Überblick.

Nicht alle Risiken sind gleich. Diese Übersicht zeigt, welche Faktoren besonders beachtet werden sollten.

Risikofaktor
Risiko
Empfohlene Handlung
Genetik (BRCA1/BRCA2)
60–80 % Lebenszeitrisiko
Genetische Beratung, Früherkennung ab 25
Familienanamnese
2- bis 4-fach erhöht
Früheres Screening, MRT-Ergänzung
Dichtes Brustgewebe
4- bis 6-fach erhöht
Zusätzlicher Ultraschall, MRT
Frühe Menarche / späte Menopause
Leicht erhöht
Regelmässige Kontrollen
Keine Schwangerschaft / späte erste Geburt
Leicht erhöht
Standard-Vorsorge

3.7

Der Termin beim Spezialisten.

So bereiten Sie sich auf den Termin beim Spezialisten vor.

Wenn Sie eine Auffälligkeit an der Brust bemerkt haben oder sich allgemein gut beraten lassen möchten, ist Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt die erste Anlaufstelle. Bei Auffälligkeiten erfolgt je nach Befund eine gezielte Überweisung an ein Brustzentrum, an einen spezialisierten Radiologen oder an einen FMH-zertifizierten Plastischen Chirurgen. In der Schweiz steht ein dichtes Netz hochqualifizierter Spezialisten zur Verfügung.

Was Sie zum Termin mitbringen sollten

  • Alle vorhandenen Befunde, Mammographien und Ultraschallbilder der letzten Jahre
  • Eine schriftliche Liste Ihrer Fragen, damit nichts vergessen geht
  • Notizen zu Symptomen mit Beginn und Verlauf
  • Eine Liste Ihrer aktuellen Medikamente und Vorerkrankungen
  • Eine vertraute Begleitperson bei Bedarf

Sich bei einem solchen Gespräch begleiten zu lassen, ist keine Schwäche, sondern hilft, das Gehörte besser zu verarbeiten und nichts Wichtiges zu vergessen. Eine gut vorbereitete Patientin führt das produktivere Gespräch und erhält die klareren Antworten.

Wenn Sie sich nach dem Erstgespräch nicht ausreichend informiert fühlen oder eine andere Einschätzung wünschen, ist eine Zweitmeinung jederzeit legitim und in der Schweiz Ihr gutes Recht. Mehr zur Wahl des passenden Arztes erfahren Sie in Kapitel 7: Den richtigen Arzt finden.

«Vorsorge ist kein Akt der Angst, sondern ein Akt der Selbstfürsorge. Wer ihre Brust kennt, schützt sie am besten.»
Redaktion meine-brust.ch
Warme Ärztin im weissen Kittel im Beratungsgespräch mit einer Patientin an einem hellen Holztisch vor pastelligem Hintergrund
Bildtafel 3.5 · Schweizer Screening

Beratung & Screening

Vorsorge lebt vom vertrauensvollen Gespräch — nicht von Angst.

«Vorsorge ist kein Misstrauen gegen deinen Körper, sondern Fürsorge für dich. Je besser du dich kennst, desto ruhiger gehst du durchs Leben.»

Redaktion meine-brust.ch

Häufige Fragen

FAQ zum Kapitel.

Ab welchem Alter sollte ich zur Mammographie?+
In der Schweiz wird Frauen ab dem 50. Lebensjahr alle zwei Jahre eine Mammographie empfohlen, im Rahmen der nationalen und kantonalen Vorsorgeprogramme. Bei familiärer Belastung, nachgewiesener BRCA-Mutation oder festgestellten Auffälligkeiten kann die Untersuchung auch deutlich früher sinnvoll sein, manchmal bereits ab dem 40. Lebensjahr oder zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter eines erkrankten Familienmitglieds. Sprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin über die für Sie passende Vorsorgestrategie, ergänzend zur jährlichen klinischen Untersuchung und zur monatlichen Selbstuntersuchung.
Ist die Mammographie schmerzhaft?+
Die Mammographie ist selten schmerzhaft, kann aber als kurzzeitig unangenehm empfunden werden. Die Brust wird während der Aufnahme zwischen zwei Platten zusammengedrückt, um eine optimale Bildqualität bei minimaler Strahlendosis zu erreichen. Die Untersuchung selbst dauert nur wenige Sekunden pro Aufnahme. Modernste Geräte mit 3D-Tomosynthese reduzieren die nötige Druckintensität und verbessern gleichzeitig die diagnostische Genauigkeit deutlich. Frauen mit besonders empfindlicher Brust können den Termin in die zweite Zyklushälfte nach der Menstruation legen, weil die Brust dann am wenigsten spannt.
Was bedeutet ein BIRADS-Wert in meinem Mammographie-Befund?+
BIRADS (Breast Imaging Reporting and Data System) ist ein internationales Klassifikationssystem, das die Wahrscheinlichkeit einer bösartigen Veränderung in der Mammographie standardisiert beschreibt. Die Werte reichen von 0 bis 6: BIRADS 1 und 2 bedeuten unauffällig oder eindeutig gutartig mit normalen Kontrollintervallen; BIRADS 3 wahrscheinlich gutartig mit kurzfristiger Kontrolle in sechs Monaten; BIRADS 4 und 5 verdächtig, weitere Abklärung mit Biopsie erforderlich; BIRADS 6 bereits bioptisch gesicherter Krebsbefund. Ihr BIRADS-Befund wird Ihnen von der Radiologin oder vom Radiologen verständlich erklärt und mit Ihrer Gynäkologin besprochen. Lassen Sie sich nicht von der Zahl allein verunsichern, der klinische Kontext ist entscheidend.
Wie oft sollte ich meine Brust selbst untersuchen?+
Die Brust-Selbstuntersuchung sollte einmal pro Monat durchgeführt werden, idealerweise wenige Tage nach Beginn der Menstruation. In dieser Zyklusphase ist die Brust am weichsten und am besten zu beurteilen, weil die hormonbedingte Schwellung abgeklungen ist. Nach den Wechseljahren wählen Sie einen festen Tag im Monat, beispielsweise jeweils den Ersten, um den Rhythmus zu halten. Regelmässigkeit ist wichtiger als Häufigkeit: Wer monatlich tastet, lernt die eigene Brust kennen und bemerkt Veränderungen am schnellsten.
Wann macht ein Ultraschall zusätzlich zur Mammographie Sinn?+
Ein ergänzender Brustultraschall (Mammasonographie) ist in mehreren Situationen sinnvoll: bei dichtem Drüsengewebe, das die Mammographie-Auswertung erschwert, bei jüngeren Frauen unter 40 Jahren, bei der genaueren Abklärung tastbarer Knoten und bei Implantatträgerinnen. Der Ultraschall ist schmerzfrei, ohne Strahlenbelastung und kann beliebig oft wiederholt werden. Mammographie und Ultraschall ergänzen sich gegenseitig und bieten zusammen die zuverlässigste bildgebende Diagnostik der Brust. Die Empfehlung trifft Ihre Gynäkologin oder der untersuchende Radiologe individuell auf Basis Ihrer Brustdichte und Vorgeschichte.
Wann ist eine MRI-Untersuchung der Brust nötig?+
Eine Brust-MRI (Magnetresonanztomographie) ist die empfindlichste bildgebende Methode für das Brustgewebe, arbeitet ohne Röntgenstrahlung und wird in spezifischen Situationen empfohlen: bei BRCA-Mutationsträgerinnen und anderen Hochrisiko-Konstellationen, bei unklaren Mammographie- und Ultraschallbefunden, zur präoperativen Stadieneinteilung eines neu diagnostizierten Brustkrebses und zur Beurteilung von Implantaten bei Verdacht auf Ruptur. Die Untersuchung erfolgt in Bauchlage in einer Röhre, dauert etwa 30 Minuten und wird meist mit Kontrastmittel durchgeführt. Eine MRI ergänzt Mammographie und Ultraschall in spezifischen Fragestellungen, ersetzt diese aber nicht generell.
Was passiert bei einer Brustbiopsie?+
Eine Brustbiopsie (Stanzbiopsie) ist ein minimal-invasiver Eingriff zur sicheren histologischen Klärung eines verdächtigen Befundes. Unter lokaler Betäubung wird mit einer feinen Nadel eine kleine Gewebeprobe aus dem auffälligen Bereich entnommen. Der Eingriff erfolgt ultraschall- oder mammographiegesteuert, dauert nur wenige Minuten und ist in der Regel gut verträglich. Es bleibt keine sichtbare Narbe. Das histologische Ergebnis liegt typischerweise innerhalb von wenigen Werktagen vor und wird Ihnen persönlich von Ihrer Ärztin mitgeteilt. Wichtig: Eine Biopsie bedeutet nicht automatisch Krebs, in der überwiegenden Mehrheit der Fälle ist sie die letzte diagnostische Stufe vor einer Entwarnung.
Kann ich mit Brustimplantaten eine normale Mammographie machen?+
Ja, eine Mammographie mit Brustimplantaten ist sicher und vollständig möglich. Bei Implantatträgerinnen wird das sogenannte Eklund-Manöver angewendet: Das Implantat wird zur Seite verschoben, sodass das eigene Brustgewebe optimal dargestellt werden kann. Die Strahlenbelastung ist identisch mit einer normalen Mammographie. Ein ergänzender Brustultraschall ist bei Implantatträgerinnen oft sinnvoll. Teilen Sie Ihrem Radiologen beim Termin immer aktiv mit, dass Sie Implantate haben (Hersteller, Modell, Jahr), damit die korrekte Technik angewendet wird. Moderne Implantate wie PERLE und LUNA XT sind robust und halten der Mammographie-Kompression problemlos stand.

Expertise

«Jede Minute, die eine Frau in die eigene Gesundheitsvorsorge investiert, zahlt sich in Sicherheit und Lebensqualität zurück.»

[Expertenzitat — Fachärztin für Gynäkologie FMH]

Weiterführend

Verwandte Themen.

Persönliche Fragen zur Vorsorge?

Die Spezialistinnen und Spezialisten des ALBIN GROUP Netzwerks beraten Sie zu allen Aspekten der Brustgesundheit — von der Selbstuntersuchung bis zur genetischen Beratung.