Kapitel 03
Gesundheit & Prävention
Selbstuntersuchung, Mammographie, Risikofaktoren und genetische Beratung — Handlungskompetenz für jedes Alter.

Emotionaler Einstieg
«Die beste Therapie ist die, die man nie braucht — weil man früh genug hingeschaut hat.»
Redaktion meine-brust.ch
Kapitel 3 · Achtsamkeit als beste Prävention
Die meisten Brusterkrankungen sind gut behandelbar, wenn sie früh erkannt werden. Vorsorge ist deshalb keine Pflicht, sondern eine Form der Selbstfürsorge. Dieses Kapitel zeigt, wie Frauen ihre Brustgesundheit aktiv schützen können.
3.1
Die eigene Brust kennen lernen.
Die regelmässige Selbstuntersuchung der Brust ist eine der einfachsten, kostenlosesten und wirkungsvollsten Vorsorgemassnahmen in der Brustkrebs-Früherkennung. Sie ersetzt keine Mammographie und keine ärztliche Untersuchung, sie ergänzt sie. Wer die eigene Brust gut kennt, bemerkt Veränderungen früher, und genau das macht den entscheidenden Unterschied. Studien zeigen, dass Frauen, die ihre Brust monatlich selbst abtasten, Auffälligkeiten oft Wochen oder Monate vor der nächsten ärztlichen Kontrolle entdecken. Diese Zeit ist medizinisch wertvoll, denn Früherkennung verbessert die Behandlungs- und Heilungschancen nachweislich.
Der ideale Zeitpunkt liegt wenige Tage nach der Menstruation, weil die Brust dann am wenigsten spannt und sich Knoten am besten ertasten lassen. In den Wechseljahren oder nach der Menopause kann ein fester Tag im Monat gewählt werden, beispielsweise jeweils der Erste des Monats. Die gesamte Untersuchung dauert etwa fünf Minuten und besteht aus drei systematischen Schritten: Betrachten vor dem Spiegel, Abtasten im Stehen, Abtasten im Liegen.

01
Stellen Sie sich vor einen Spiegel und lassen Sie die Arme zunächst locker hängen. Achten Sie auf Form, Grösse und Hautbeschaffenheit beider Brüste. Heben Sie dann die Arme über den Kopf und drehen Sie sich leicht zur Seite.
Eine geringe natürliche Brustasymmetrie ist normal und betrifft über 90 Prozent aller Frauen. Neue oder sich verändernde Asymmetrien sind hingegen ein klarer Anlass zur ärztlichen Abklärung.
02
Heben Sie einen Arm hinter den Kopf, sodass das Brustgewebe gestrafft wird. Tasten Sie mit den drei mittleren Fingern der gegenüberliegenden Hand die Brust systematisch ab, mit sanftem aber spürbarem Druck. Beginnen Sie an der Brustwarze und arbeiten Sie sich in kreisenden Bewegungen oder geraden Bahnen nach aussen vor, bis das gesamte Gewebe einschliesslich des Bereichs unter dem BH-Bügel abgedeckt ist.
Tasten Sie unbedingt auch die Achselhöhle und den Bereich oberhalb des Schlüsselbeins ab, denn dort liegen wichtige Lymphknoten. Drücken Sie am Ende leicht die Brustwarze zusammen und prüfen Sie, ob Flüssigkeit austritt. Eine klare oder leicht milchige Sekretion kann hormonell bedingt sein, eine blutige Sekretion sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
03
Legen Sie sich flach auf den Rücken. Diese Position verteilt das Brustgewebe gleichmässig auf dem Brustkorb und macht das Abtasten besonders effektiv. Legen Sie einen Arm locker hinter den Kopf und tasten Sie die Brust auf derselben Seite mit der gegenüberliegenden Hand systematisch ab.
Wiederholen Sie die Untersuchung auf der anderen Seite.
Wichtig: Wenn Sie bei der Selbstuntersuchung etwas finden, ist das kein Grund zur Panik. Die grosse Mehrheit aller tastbaren Knoten und Verdickungen ist gutartig, häufig handelt es sich um Zysten, Fibroadenome oder hormonell bedingte Schwellungen. Bei Frauen unter 35 Jahren sind tastbare Knoten in über 90 Prozent der Fälle gutartig.
Dennoch verdient jede neue oder sich verändernde Auffälligkeit eine zeitnahe ärztliche Abklärung in einer gynäkologischen Praxis. Nur eine fachärztliche Untersuchung mit Ultraschall oder gegebenenfalls einer Mammographie schafft Gewissheit. Die Regel lautet: Lieber einmal zu viel zur Untersuchung gehen als einmal zu wenig.
Tafel · Methoden
01
Ärztliche oder eigene Abtastung — erste Grundlage jeder Untersuchung.
Ab 25 Jahren, monatlich
02
Schallwellen für weiches Gewebe — ideal bei dichtem Drüsengewebe.
Bei Verdacht, ergänzend
03
Röntgenbildgebung — Goldstandard für Früherkennung ab 50.
Ab 50 Jahren, alle 2 Jahre
04
Magnetresonanz — höchste Auflösung, bei Risikofaktoren oder Unklarheiten.
Bei hohem Risiko
3.2
Die zwei wichtigsten bildgebenden Verfahren der Brustdiagnostik
Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust mit einer sehr niedrigen Strahlendosis und gilt als Goldstandard der bildgebenden Brustdiagnostik in der Schweiz. Sie kann kleinste Verkalkungen sichtbar machen, die mit blossem Auge oder durch Tasten nicht zu erkennen wären. Diese sogenannten Mikrokalk-Cluster sind manchmal die ersten Anzeichen einer beginnenden Tumorbildung, weshalb die Mammographie das wichtigste Screening-Verfahren in der Brustkrebs-Früherkennung ist. Die Untersuchung dauert wenige Minuten, kann sich kurz unangenehm anfühlen, ist aber gut verträglich und sicher.
Der Brustultraschall (Mammasonographie) ergänzt die Mammographie gezielt. Er ist besonders wertvoll bei dichtem Drüsengewebe, wie es bei jüngeren Frauen häufig vorkommt, und bei der Abklärung von tastbaren Knoten. Der Ultraschall ist vollständig schmerzfrei, ohne Strahlenbelastung und kann beliebig oft wiederholt werden. Bei Implantatträgerinnen ist er eine wertvolle Ergänzung, um Bereiche zu erfassen, die in der Mammographie durch das Implantat weniger gut sichtbar sind.
In der Schweiz wird Frauen zwischen 50 und 74 Jahren alle zwei Jahre eine Mammographie empfohlen. Mehrere Kantone führen organisierte Mammographie-Screening-Programme durch, mit qualitätsgesicherten Untersuchungen und doppelter Befundung durch zwei unabhängige Radiologen. Diese Programme haben nachweislich zur Senkung der Brustkrebs-Sterblichkeit beigetragen. Bei jüngeren Frauen oder bei erhöhtem Risiko kann auch früher mit der Bildgebung begonnen werden, in Absprache mit der Gynäkologin.

3.3
Anspruch, Ablauf und Kostenübernahme der Mammographie-Programme
In zahlreichen Schweizer Kantonen, darunter Waadt, Genf, Freiburg, Wallis, Jura, Neuenburg, Bern, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Graubünden, Solothurn und Thurgau, gibt es organisierte Brustkrebs-Früherkennungsprogramme. Berechtigte Frauen zwischen 50 und 74 Jahren erhalten alle zwei Jahre eine persönliche Einladung per Post. Die Mammographie wird in einem zertifizierten Brustzentrum durchgeführt, das Ergebnis wird nach einigen Tagen schriftlich mitgeteilt. Diese Programme sind wissenschaftlich evaluiert und entsprechen den europäischen Qualitätsleitlinien.
Die Kosten der Mammographie im Screening-Programm werden in den meisten Kantonen vollständig oder weitestgehend von der obligatorischen Grundversicherung übernommen, ausserhalb der Franchise. Die Teilnahme ist vollkommen freiwillig: Die persönliche Entscheidung jeder Frau wird respektiert. Aufklärungsmaterial und eine neutrale Beratung durch Ihre Gynäkologin helfen bei der individuellen Entscheidungsfindung.
In Kantonen ohne organisiertes Programm können Frauen die Mammographie auf eigene Initiative über ihre Gynäkologin in Auftrag geben. Sprechen Sie mit Ihrer Krankenkasse über die Kostenübernahme in Ihrem konkreten Fall.
3.4
Wann ist es Zeit für den Arztbesuch — welche Brustveränderungen ärztlich abgeklärt werden müssen
Folgende Veränderungen an der Brust sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Die meisten dieser Symptome haben gutartige Ursachen, aber alle verdienen eine fachärztliche Abklärung, weil nur die Untersuchung Sicherheit gibt:
Wichtig: Die meisten dieser Veränderungen haben gutartige Ursachen wie Zysten, Fibroadenome oder hormonell bedingte Schwellungen. Bei Frauen unter 35 Jahren sind über 90 Prozent aller tastbaren Knoten harmlos. Aber sie verdienen alle eine fachärztliche Abklärung, weil nur eine Untersuchung mit Ultraschall oder gegebenenfalls Mammographie Klarheit schafft. Die Regel lautet: Lieber einmal zu viel zum Arzt als einmal zu wenig.

3.5
Was die Brustgesundheit unterstützt.
Nicht alle Risikofaktoren für Brustkrebs sind beeinflussbar: Alter, genetische Veranlagung und hormonelle Faktoren liegen ausserhalb der eigenen Kontrolle. Andere Faktoren sind aber sehr wohl aktiv gestaltbar. Wissenschaftliche Studien zeigen klar, dass ein gesunder Lebensstil das Brustkrebsrisiko messbar senken kann, in manchen Berechnungen um bis zu 25 Prozent.
Die folgenden Massnahmen sind durch zahlreiche peer-reviewte Studien belegt und empfehlen sich unabhängig vom individuellen Ausgangsrisiko:
Diese Massnahmen sind keine Garantie, aber sie verbessern Ihre statistischen Chancen deutlich und unterstützen gleichzeitig die allgemeine Gesundheit.
3.6
Wenn Brustkrebs in der Familie liegt: BRCA und genetische Beratung.
Bei etwa fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebs-Erkrankungen spielen genetische Faktoren eine entscheidende Rolle. Die bekanntesten sind Mutationen in den Genen BRCA1 und BRCA2 (Breast Cancer Gene 1 und 2), die das Brust- und Eierstockkrebsrisiko deutlich erhöhen können. Frauen mit BRCA-Mutationen haben ein lebenslanges Brustkrebsrisiko von bis zu 70 Prozent und ein erhöhtes Eierstockkrebsrisiko.
Eine genetische Beratung sollten Frauen in Betracht ziehen, wenn:
Ablauf einer genetischen Beratung in der Schweiz. Eine genetische Beratung in einem spezialisierten Schweizer Zentrum klärt zunächst ab, ob ein Test überhaupt sinnvoll ist. Universitätsspitäler und mehrere Kantonsspitäler bieten solche Beratungen an. Ein positives Testergebnis bedeutet ein erhöhtes Risiko, aber keine Krankheit. Es ermöglicht eine intensivierte Vorsorge wie jährliche MRI-Untersuchungen und gegebenenfalls präventive Massnahmen, in enger Absprache mit einem multidisziplinären Team aus Gynäkologen, Onkologen, Genetikern und Psychologen.
Wichtig
Ein BRCA-Test ist eine bewusste, gut überlegte Entscheidung mit Konsequenzen für die ganze Familie. Die genetische Beratung vor dem Test ist daher genauso wichtig wie die Begleitung nach dem Ergebnis.

Genetik & Familie
Familiengeschichte ist keine Bürde — sie ist wertvolle Information für die eigene Vorsorge.
3.6 · Risikotabelle
Nicht alle Risiken sind gleich. Diese Übersicht zeigt, welche Faktoren besonders beachtet werden sollten.
3.7
So bereiten Sie sich auf den Termin beim Spezialisten vor.
Wenn Sie eine Auffälligkeit an der Brust bemerkt haben oder sich allgemein gut beraten lassen möchten, ist Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt die erste Anlaufstelle. Bei Auffälligkeiten erfolgt je nach Befund eine gezielte Überweisung an ein Brustzentrum, an einen spezialisierten Radiologen oder an einen FMH-zertifizierten Plastischen Chirurgen. In der Schweiz steht ein dichtes Netz hochqualifizierter Spezialisten zur Verfügung.
Sich bei einem solchen Gespräch begleiten zu lassen, ist keine Schwäche, sondern hilft, das Gehörte besser zu verarbeiten und nichts Wichtiges zu vergessen. Eine gut vorbereitete Patientin führt das produktivere Gespräch und erhält die klareren Antworten.
Wenn Sie sich nach dem Erstgespräch nicht ausreichend informiert fühlen oder eine andere Einschätzung wünschen, ist eine Zweitmeinung jederzeit legitim und in der Schweiz Ihr gutes Recht. Mehr zur Wahl des passenden Arztes erfahren Sie in Kapitel 7: Den richtigen Arzt finden.
«Vorsorge ist kein Akt der Angst, sondern ein Akt der Selbstfürsorge. Wer ihre Brust kennt, schützt sie am besten.»

Beratung & Screening
Vorsorge lebt vom vertrauensvollen Gespräch — nicht von Angst.
«Vorsorge ist kein Misstrauen gegen deinen Körper, sondern Fürsorge für dich. Je besser du dich kennst, desto ruhiger gehst du durchs Leben.»
Redaktion meine-brust.ch
Häufige Fragen
Expertise
«Jede Minute, die eine Frau in die eigene Gesundheitsvorsorge investiert, zahlt sich in Sicherheit und Lebensqualität zurück.»
[Expertenzitat — Fachärztin für Gynäkologie FMH]
Weiterführend
Die Spezialistinnen und Spezialisten des ALBIN GROUP Netzwerks beraten Sie zu allen Aspekten der Brustgesundheit — von der Selbstuntersuchung bis zur genetischen Beratung.