Premium-Welt B04
Implantat-Lexikon
Formen, Oberflächen, Gele und Hersteller — das vollständige Vokabular der modernen Brustprothese, verständlich erklärt.

"Die richtige Prothese ist nicht die teuerste — sondern die passendste."
Brustimplantate sind keine Massenware. Sie unterscheiden sich in Form, Oberfläche, Gel-Kohäsivität, Profil, Volumen und Herstellerphilosophie. Dieses Lexikon ordnet die Begriffe, erklärt die Unterschiede und schafft die Grundlage für ein informiertes Gespräch mit dem Operateur — ohne Voreingenommenheit, aber mit Wissen.
Teil I
Herstellerübersicht
Mentor (Johnson & Johnson)
USA
MemoryGel, MemoryShape; breiteste klinische Datenbasis; Siltex-Texturierung
Allergan Aesthetics (AbbVie)
Irland / USA
Natrelle-Serie; Biocell-Texturierung (zurückgezogen); BioDimensional Planung
Polytech Health & Aesthetics
Deutschland
Microthane (Polyurethan-Oberfläche); B-Lite (leichte Implantate); europäischer Marktführer
Sebbin
Frankreich
Anatomische Formen, glatte Oberflächen; seit 1983; CE-Markierung; konventionelle Silikon-Gel
GCAesthetics (Nagor / Eurosilicone)
UK / Frankreich
Round Collection, Matrix-Oberfläche; breite Größenskala
GC Aesthetics (Eurosilicone)
Frankreich
Reputation- und Optimam-Linien; texturiert und glatt
Sientra
USA
High-Strength Cohesive (HSC) Gel; FDA-Zulassung; SilkSurface (nano-strukturiert)
Establishment Labs (Motiva)
Costa Rica
SmoothSilk / SilkSurface; Ergonomix (anatomisch-rund); QInside-Safety-Technology (RFID)
Teil II
Formen
Rund
Symmetrische, kugelförmige Prothese. Gleiches Volumen in allen Quadranten. Einfach zu platzieren, weniger rotationsgefährdet. Ideal für subpektorale Lage und für Patientinnen, die Oberpol-Fülle wünschen.
Vorteile
- +Oberpol-Fülle
- +Einfache Rotation
- +Breite Größenwahl
- +Geringerer Preis
Abwägungen
- −Weniger natürlich bei schmalen Thorax
- −Kann künstlich wirken bei wenig Eigenfett
Anatomisch (Tropfenform)
Asymmetrische Prothese mit mehr Volumen im unteren Pol. Nach der natürlichen Brustform modelliert. Erfordert präzise Positionierung; Rotation ist sichtbar (implantiert mit Orientierung).
Vorteile
- +Natürliche Form
- +Schmaler Oberpol
- +Ideal bei Rekonstruktion
- +Weniger künstlicher Look
Abwägungen
- −Rotationsrisiko
- −Höhere Komplexität
- −Teurer
- −Braucht mehr Erfahrung des Operateurs
Ergonomisch / Dynamic
Hybride Form, die im Liegen rund wirkt, im Stehen anatomisch. Weiche, anpassungsfähige Gel-Kohäsivität. Reagiert auf Körperhaltung und Muskelspannung.
Vorteile
- +Positionssensitiv
- +Natürlich in jeder Haltung
- +Geringes Rotationsrisiko
- +Moderne Technologie
Abwägungen
- −Premium-Preis
- −Noch weniger Langzeitdaten
- −Nicht alle Hersteller
Teil III
Oberflächen
Glatt (Smooth)
Polierte Silikonhülle. Bewegt sich frei im Implantattasche. Geringere Kapselkontrakturrate in manchen Studien. Höheres Rotationsrisiko bei anatomischen Formen. Geringerer Reibungswiderstand bei Platzierung.
Standard für runde Implantate. Bei anatomischen Formen nur mit Fixierung (Pocket-Design).
Texturiert (Textured / Siltex / Biocell)
Mikro- oder Makroporen auf der Hülle fördern Gewebeintegration (Adhäsion). Reduziert Kapselkontraktur und Rotation. Historisch mit BIA-ALCL in Verbindung gebracht (v. a. Biocell-Makrotextur).
Wichtig für anatomische Implantate. Die Texturierungsskala reicht von nanoskulptiert bis makroporös — das Risikoprofil variiert erheblich.
Polyurethan-beschichtet (Microthane)
Polyurethan-Schaum auf der Hülle induziert eine dichte Gewebeintegration. Praktisch rotationsfrei, sehr niedrige Kapselkontrakturrate. Nach wenigen Monaten wird die Schaumstruktur vom Körper durchdrungen und verstoffwechselt.
Polytech-eigenes Verfahren. Sicheres Langzeitprofil seit Jahrzehnten. Die Beschichtung verschwindet, die Integration bleibt.
Nano-strukturiert (SilkSurface / SmoothSilk)
Keine klassische Texturierung, sondern eine kontrollierte Nanostruktur auf der Hülle. Kombiniert geringe Kapselkontrakturrate mit minimalem Entzündungspotenzial. Keine Makroporen.
Moderner Ansatz bei Motiva und Sientra. Datenlage wächst; theoretisch das sicherste Oberflächenkonzept.
Teil IV
Füllmaterialien & Kohäsivität
Konventionelles Silikon-Gel
Standard-Viskosität. Weich, natürlich fühlbar. Kann bei Ruptur auslaufen (Silikonoma). Heute meist noch in kleineren Volumina oder älteren Modellen.
Cohesive Silikon-Gel (Mittel)
Erhöhte Viskosität, formstabil aber noch formbar. Goldstandard seit den 2000er Jahren. Bei Ruptur bleibt das Gel meist im Implantat (gummy bear).
Highly Cohesive / Form-Stable (Hoch)
Sehr hohe Viskosität, präformiert. Behält die Form auch bei Druck oder Ruptur. Anatomische und ergonomische Formen benötigen dieses Gel. Festes Tastgefühl.
B-Lite / Lightweight Gel
Reduzierte Gel-Dichte bei gleichem Volumen. Bis zu 30 % leichter als Standardimplantate. Weniger Gewicht = weniger Ptosis-Tendenz, weniger Rückenschmerzen bei großen Volumina.
Saline (Kochsalzlösung)
Leer vor der Operation, im OP befüllt. Kleinster Zugang (minimal-invasive Einführung). Naturgefühl reduziert, wellenartige Oberfläche sichtbar/ tastbar. Deflation bei Leckage. Heute selten in Europa.
Teil V
Profile
Low Profile
Breite > Höhe
Breite Thorax, natürlicher Look, wenig Projektion
Moderate Profile
Breite ≈ Höhe
Standard, meist gewähltes Profil, ausgewogene Proportion
High Profile
Breite < Höhe
Schmaler Thorax, maximale Projektion, oberpolige Fülle
Extra-High (Ultra)
Breite << Höhe
Sehr schmaler Thorax, maximale Projektion, spezielle ästhetische Ziele
Sicherheit
BIA-ALCL, Kapselkontraktur & Risiken
BIA-ALCL (Brustimplantat-assoziiertes anaplastisches grosszelliges Lymphom) ist eine seltene T-Zell-Lymphomform, die in der Periprotetischen Kapsel entsteht. Die Hauptrisikofaktoren sind texturierte Oberflächen mit Makroporen (v. a. Allergan Biocell) und bakterielle Biofilme. Die Inzidenz liegt bei ca. 1:30.000 bis 1:50.000. Frühe Symptome: einseitige Schwellung, seröse Ansammlung, Schmerz. Diagnose: Ultraschall, Punktion, CD30-Pathologie. Behandlung: En-bloc-Explantation mit Kapsel, Chemotherapie bei Bedarf.
Kapselkontraktur (Baker-Grade I–IV) entsteht durch eine übermässige Fibrosierung der natürlichen Kapsel um das Implantat. Risikofaktoren: subklinische Infektion, Blutung, glatte Oberfläche (kontrovers), retropektorale Lage. Prävention: minimal-touch-Technik, Triple-Antibiotikum-Spülung, texturierte/nanostrukturierte Oberflächen.
Ruptur: Bei moderner kohäsiver Gel-Technologie bleibt das Gel meist im Implantat (silent rupture kann jahrelang unbemerkt bleiben). MR-Screening wird nach 5–10 Jahren empfohlen. Saline-Implantate deflatieren sofort und sichtbar.
Hinweis
Dieses Lexikon ersetzt keine chirurgische Beratung. Die Wahl des Implantats erfolgt individuell anhand von Anatomie, Hautqualität, ästhetischem Ziel, Lebensstil und Risikoprofil — gemeinsam mit einem erfahrenen plastischen Chirurgen.
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